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Bettina Hagedorn beim Festgottesdienst anlässlich der Wiedereröffnung der Feldsteinkirche in Ratekau

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Unter den Ehrengästen: der in Ratekau aufgewachsene Buchautor und SPIEGEL-Kolumnist Bastian Sick, Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller, die Eutiner Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn. Foto: Döbler

Am Sonntag, den 28. August 2011, habe ich die Einladung der Feldsteinkirche Ratekau zu einem sehr bewegenden Festgottesdienst anlässlich ihrer Wiedereröffnung sehr gerne wahrgenommen. Bereits am Samstag war ich "privat" beim Tag der offenen Tür in der Feldsteinkirche und habe dem Bürgermeister von Ratekau, Thomas Keller, und der Pastorin Anke Dittmann zwei Fotokollagen mit Bildern der Feldsteinkirche überreicht, eine ähnliche Kollage hatte bereits der Architekt Torsten Ewers am 2. Juni 2010 von mir erhalten.

Der Kirchekreis Ostholstein hat die Wiedereröffnung der Feldsteinkirche in einer ausführlichen Pressemitteilung gewürdigt. Wie in dieser Pressemitteilung nachzulesen ist, wurde die Finanzierung für die notwendige Sanierung der 855 Jahre alten Kirche von vielen Bürgern, Stiftungen, der Kirche und der öffentlichen Hand gleistet.

Im Folgenden finden Sie die Presseerklärung vom Kirchenkreis Ostholstein, Sie können die Pressemitteilung auch hier im .pdf-Format abrufen.

"Mit moderner Erdwärmeheizung: Sanierte Feldsteinkirche Ratekau wiedereröffnet
"Fit für die nächsten 100 Jahre"
Ratekau (epd|std). – Mit einem Festwochenende vom 26. bis zum 28. August 2011 und einem Regionalgottesdienst ist die für 1,7 Millionen Euro sanierte Feldsteinkirche im ostholsteinischen Ratekau wiedereröffnet worden. Die 2008 begonnene Sanierung der damals teilweise einsturzgefährdeten Kirche ist mit 943.000 Euro aus Bundesmitteln über das Konjunkturpaket II finanziert worden sowie mit kommunalen und kirchlichen Mitteln, Geldern aus Spenden und Stiftungen. Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU wurde ein innovatives Temperierungskonzept auf Erdwärmebasis für die Kirche konzipiert, das CO2-Ausstoß und Heizkosten rapide senken und zugleich Kunstwerke, historische Bausubstanz und Orgel vor Feuchtigkeitsschäden bewahren soll. Als eines von zwei Pilotprojekten zum Klima- und Denkmalschutz in der nordelbischen Kirche soll es mit Unterstützung der DBU weiter wissenschaftlich begleitet werden.
Ratekau (epd). Die wiedereröffnete Feldsteinkirche von Ratekau (Kreis Ostholstein) wird in den Wintermonaten kalt bleiben – und dennoch sollen die Besucher nicht frieren. Ein neues klimaschonendes Heizkonzept mit Erdwärme soll für ein angenehmes Raumklima sorgen und die Heizkosten auf ein Zehntel senken. Mit einem Festgottesdienst wurde die mittelalterliche Dorfkirche am Sonntag nach drei Jahren Bauzeit wieder eröffnet.
"Ein Raum, in dem Menschen Segen erfahren"
"An unserer Feldsteinkirche kann nun jeder erkennen, dass aus Steinen, die im Weg liegen, aus Lasten, die wir zu tragen haben, Heilsames werden kann: ein Raum, in dem Menschen Segen, Zuspruch und Ermutigung erfahren und, dass sie Gottes geliebte Kinder sind", sagte Pastorin Anke Dittmann in ihrer Predigt zum Festgottesdienst, "aus dieser heilsamen Erfahrung wächst Heilsames für die Welt."


Wurde am letzten Augustwochenende nach umfangreicher Sanierung feierlich wiedereröffnet: die Feldsteinkirche Ratekau. Foto: Döbler

Die Visionen der Erbauer der 855 Jahre alten Feldsteinkirche "hat auch uns während der dreijährigen Sanierungsarbeiten angesteckt", so Pastorin Dittmann: "Die Liebe, mit der unsere Vorfahren diese Kirche einst errichtet und später immer weiter gestaltet und erhalten haben, haben wir auch nun wieder eingesetzt."
Der Architekt Torsten Ewers, der die Sanierung der Feldsteinkirche geleitet hat, schilderte anhand einer Foto-Dokumentation, "dass Handwerker und Bauleute hier mit höchster Kunstfertigkeit etwas geschaffen haben, das noch lange Zeit über sie hinausweisen wird". Einer der Gastredner sagte angesichts der herausragenden Leistungen von Bauleuten und Architekten: "Nun ist die Ratekauer Feldsteinkirche fit für die nächsten 100 Jahre."
Fast eine Million Euro aus dem Konjunkturpaket II des Bundes
Gemeinsam mit ihrem Kollegen, Pastor Thomas Merfert, dankte Pastorin Dittmann Handwerkern und Architekten, Baufachleuten und Beratern sowie allen haupt- und ehrenamtlichen Helfern, Spendern und Unterstützern für ihr Engagement. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass die Sanierung der Ratekauer Feldsteinkirche als einziges Denkmalschutzprojekt in Schleswig-Holstein im Rahmen des von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturpaketes II mit 943.000 Euro gefördert worden ist. Maßgeblich dafür eingesetzt hatte sich die Eutiner Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn. Sie lobte in ihrem Grußwort das außergewöhnliche Engagement von Bürgern und Gemeinschaft in Ratekau für ihre Kirche. Auch Propst Matthias Wiechmann unterstrich dankbar das segensreiche Zusammenwirken von Bürger- und Kirchengemeinde für die historische Kirche des Ortes.
Unterstützung von vielen Seiten
Weitere Mittel sind vom Kirchenkreis Ostholstein und der Nordelbischen Kirche aufgebracht worden sowie von der Kirchengemeinde Ratekau selbst. Der "Gemeinnützige Förderverein Freunde der Ratekauer Kirche e.V.", das "Aktionsbündnis Feldsteinkirche Ratekau", dem neben den Kirchengemeinden Sereetz, Pansdorf und Ratekau auch lokale Vereine, Verbände und Schulen angehören, sowie weitere Förderer sammelten Spendengelder. Die Kommune Ratekau stocke jede Spende, die auf dem Konto des "Aktionsbündnisses eingehe, um zehn Prozent auf, so Anke Dittmann. Bürgermeister Thomas Keller überreichte Pastorin Dittmann und Pastor Merfert nach dem Festgottesdienst einen Gutschein über 3.000 Euro für den noch fehlenden Schalldeckel über der Kanzel.
Auch die "Rudolf-August-Oetker-Stiftung" und die "Stiftung Feldsteinkirche Ratekau" im Rahmen der "Bürger-Stiftung Ostholstein" unterstützen die Sanierung – und sie sind nicht die einzigen: "Die Sparkasse Holstein hat zum Beispiel eine eigene 'Sparkassen-Stiftung Feldsteinkirche Ratekau' eingerichtet, aus der wir durch jährliche Zinseinnahmen auch in den Folgejahren die Erhaltung der Kirche mitfinanzieren können", so Pastorin Dittmann, "derzeit gehen die Zinsen in die Sanierung."

Dankte Helfern und Spendern: Pastorin Anke Dittmann im Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Feldsteinkirche Ratekau. Foto: Döbler

Bastian Sick trug ein der Feldsteinkirche gewidmetes Gedicht vor
Der in Ratekau aufgewachsene Bastian Sick, Journalist, Schriftsteller und Autor der SPIEGEL-Kolumne "Zwiebelfisch", hat die Kirchensanierung unter anderem bereits 2009 mit einem Benefiz-Abend unterstützt und in diesem Jahr das Gemeindemusikfest am 28. Mai zugunsten der Kirchensanierung moderiert, bei dem nach Angaben der Kirchengemeinde rund 2.800 Euro eingenommen wurden. Zur Wiedereröffnung widmete er der sanierten Kirche ein Gedicht, in dem er die Geschichte der Ratekauer Feldsteinkirche schilderte und Stationen aus seiner Biographie, die mit der Ratekauer Kirche verbunden sind.
Derzeit hofft man auf weitere Unterstützung, denn für die Gesamtfinanzierung müssen noch rund 115.000 Euro aufgebracht werden.
Als nordelbisches Pilotprojekt für klima- und denkmalschonende Kirchen-Temperierung von der DBU gefördert
Ihre vielen alten Dorfkirchen stellen die Nordelbische Kirche gleich vor mehrere Herausforderungen: Die steigenden Heizkosten belasten die Gemeinden immer mehr. Zugleich schädigen große Temperaturschwankungen und eine hohe Luftfeuchtigkeit Orgeln, Altäre und wertvolle Kunstwerke. Zudem will die Kirche ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Nach dem alten Heizsystem aus den 70er Jahren wird die Luft in den ansonsten kalten Kirchen für den Gottesdienst auf 16 Grad Celsius erwärmt und kühlt danach wieder ab. Die Feuchtigkeit aus der Luft kondensiert dabei an Wänden und Einrichtung und verursacht Fäulnis und Schimmel- und Schwammbildung.
In Ratekau wurde mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU ein wissenschaftliches Klima-Projekt gestartet: An kalten Wintertagen wird die Temperatur im Gottesdienst nicht über zwölf Grad Celsius steigen. Allerdings soll unangenehme Zugluft ebenso verhindert werden wie Fallwinde, die entstehen, wenn warme Luft auf kalte Außenwände trifft. Trockene Luft sorgt nicht nur für ein angenehmes Raumklima, sondern schont auch Orgel und Kunstwerke.
Heizenergie kommt aus der Erde
Beheizt wird die mittelalterliche Kirche allein mit Erdwärme, für die zwei 30 Meter lange Schächte ins Erdreich gebohrt wurden. Damit wird nicht nur der Fußboden erwärmt, sondern auch das Auskühlen der Wände verhindert. Die klimafreundliche Heizung soll eine dauerhafte Temperatur von acht Grad Celsius garantieren. Ein Teil der Erdwärme wird gespeichert, um die Temperatur für Gottesdienste auf zwölf Grad Celsius zu erhöhen. Die Baukosten liegen noch unter den 140.000 Euro für das ursprünglich geplante, konventionelle Heizsystem auf Erdgasbasis, von dem man sich in Ratekau im Laufe der Bauplanung zugunsten der regenerativen Erdwärme verabschiedet hatte.
Wissenschaftliche Begleitung bis Ende 2012 soll neue Maßstäbe für Temperierung von Kirchen liefern
Das klimaschonende Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Bis Ende 2012 sollen kontinuierlich Daten zu Wetter, Heizleistungen und Luftfeuchtigkeit erhoben werden. Außerdem werden die Besucher im Winter befragt. Zugute kommt die Auswertung auch dem zweiten von der DBU geförderten nordelbischen Pilotprojekt in Sachen Kirchentemperierung in der Kirchengemeinde Gudow im Kreis Herzogtum Lauenburg, die ihren Umbau noch vor sich hat.
Eingebettet war der Einbau der Heizung in eine 1,7 Millionen Euro teure Grundsanierung. Zeitweilig waren Teile der Feldsteinkirche vom Einsturz bedroht, auch der Turm hatte sich bereits um über einen Meter westwärts geneigt. Das Fugenwerk wurde mit einem Mörtel aus Hochbrandgips ausgebessert, wie er Mitte des 12. Jahrhunderts am Segeberger Kalkberg gewonnen wurde. Außerdem wurde der Dachstuhl saniert und das Dach neu gedeckt. Knapp eine Million Euro kam aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Prominenter Gast der Feier war der in Ratekau aufgewachsene Autor und SPIEGEL-Kolumnist Bastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"), dessen Großvater Pastor an der Ratekauer Feldsteinkirche war.
Die Ratekauer Kirche wurde 1156 gebaut und gehört zu den ältesten in Schleswig-Holstein. Sie ist Zeugnis der Christianisierung, die Mitte des 12. Jahrhunderts in Ostholstein begonnen hatte. Ähnliche Feldsteinkirchen gibt es in Ostholstein noch in Bosau, Neukirchen bei Malente, Süsel und Gleschendorf. Neben Ratekau hat nur noch St. Johannis in Neukirchen bei Malente einen runden Turm.

Internet zum Thema:

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Ratekau
DBU – Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Weitere Informationen:

Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Ratekau
Pastorin Anke Dittmann
Hauptstraße 10
D-23626 Ratekau
Tel.: 04504 3625
Fax: 04504 67321
e-mail: kg-ratekau@kk-oh.de"