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100 Jahre Nelson Mandela: Bettina Hagedorn übergibt Sonderbriefmarke in feierlicher Zeremonie

Aktuelles

03.08.2018

 

(Foto: Kai Bienert)

v.l.n.r. Tilo Braune (Geschäftsführer der Peter-Krämer-Stiftung - Initiator der Mandela-Sondermarke), Dr. Gabriele Minz (Organisation der Veranstaltung), Phumelele Stone Sizani (Botschafter Südafrika), Bettina Hagedorn (parl. Staatssekretärin im BMF), Außenminister Heiko Maas, Daniela Schadt ("First-Lady" a.D.)

Zum 100. Geburtstag von Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela hat das Bundesministerium der Finanzen zusammen mit der Republik Südafrika eine Gemeinschaftsbriefmarke herausgebracht. 

In einer feierlichen Zeremonie im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt durfte ich diese Marke in meiner Funktion als parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen an Außenminister Heiko Maas und den Botschafter Südafrikas, Phumelele Stone Sizani, übergeben. 

Übergeben wurde die Briefmarke im Rahmen eines atemberaubenden Konzerts des MIAGI Youth Orchestra aus Südafrika.

Meine Rede zur Übergabe der Gemeinschaftsbriefmarke: 

Sehr geehrte Exzellenz Stone Sizani,
(S.E. Phumelele Stone Sizani, Botschafter der Republik Südafrika in Deutschland)
sehr geehrter Herr Minister Maas,
sehr geehrte Frau Dr. Minz,
sehr verehrte Damen und Herren,
dear members of the MIAGI Youth Orchestra of Soweto –
the name of your orchestra stands for “Music is a Great Investment” – what a wonderful headline for our event of today’s night!

in der Geschichte der Menschheit gibt es nur eine Handvoll Namen, die sich in das allgemeine Weltgedächtnis eingemeißelt haben. Einen dieser Namen ehren wir heute Abend zu seinem 100. Geburtstag:

Nelson Mandela

Wer derart Großartiges vollbracht hat, ist es allemal wert, mit der Herausgabe einer Briefmarke gewürdigt zu werden – in Deutschland ist das bislang nur einem ausländischen Präsidenten vorbehalten gewesen: John F. Kennedy. 

Und ich muss hier in Berlin nicht besonders erwähnen, WARUM gerade John F. Kennedy vor langer Zeit diese Ehre zu Teil wurde.  

Es ist mir aber eine besondere Freude und Ehre, dass ich heute – stellvertretend für unseren Bundesfinanzminister Olaf Scholz, von dem ich herzliche Grüße übermitteln darf - diese wirklich ganz besondere Briefmarkenausgabe als Gemeinschaftsaktion mit dem Heimatland Nelson Mandelas Südafrika – vertreten durch Sie, Herr Botschafter – begehen und feiern darf. 

Es zeigt einerseits die tiefe und freundschaftliche Verbundenheit unserer beiden Länder, und andererseits die Hochachtung vor der Lebensleistung dieses einzigartigen Mannes.

Er war ein lebenslanger mutiger Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung, er war bereit für diesen Kampf den höchsten Preis persönlich zu zahlen, er predigte gleichzeitig unverdrossen Frieden, die Einheit der Rassen, die Überwindung von gesellschaftlichen Schranken und die Vergebung sogar für die eigenen Unterdrücker, er war eine Persönlichkeit voller Strahlkraft, dessen Glaubwürdigkeit und Unerschütterlichkeit den Menschen ALLER Generationen weltweit als politisches und moralisches Vorbild galt und ihnen Hoffnung in ihrem eigenen Kampf für Gerechtigkeit schenkte – er ist auch seit Jahrzehnten MEIN ganz persönliches Vorbild. 

Im Mai 1994 sagte Nelson Mandela in seiner Antrittsrede als erster schwarzer Präsident Südafrikas: „Wir werden eine Gesellschaft errichten, in der alle Südafrikaner, Schwarze und Weiße, aufrecht gehen können, ohne Angst in ihren Herzen, in der Gewissheit ihres unveräußerlichen Rechtes der Menschenwürde, eine ‚Regenbogennation‘ im Frieden mit sich selbst und mit der ganzen Welt.“ 

Dieses Zitat zeigt in eindrucksvoller Weise Mandelas unermüdliches Engagement für Frieden und Freiheit, für die Menschenwürde und die Menschenrechte, und sein Wirken als gleichermaßen Inspiration wie auch Quelle der Ermutigung für so viele Menschen weltweit. 

Denn Nelson Mandela verband kämpferischen Elan mit Prinzipientreue, Liebe zur Freiheit mit Achtung vor dem Recht und die Suche nach friedensstiftenden Kompromissen mit dem Beharren auf historischer Wahrheit. 

Nelson Mandela erkannte, dass auch die Unterdrücker selbst der Befreiung bedürfen, weil sie Gefangene des Hasses sind. Mandela war der Überzeugung, dass Menschen, die zu hassen lernen können, auch lernen können zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. 

Er hat uns damit vorgelebt, dass ein einzelner Mensch – auch wenn er sich vielleicht schwach und allein fühlt - dennoch Großes für ein ganzes Volk bewirken kann. 

Er hat uns gezeigt, dass nicht Gewalt und Hass die letzten Antworten sind, sondern Frieden und Versöhnung, dass nicht Rache und Vergeltung die Zukunft gehören, sondern Wahrheit, Recht und Vergebungsbereitschaft.

Wir stehen staunend vor diesem Mann und seiner Lebensleistung. 

Bereits in den 50er Jahren als erster schwarzer, selbstständiger Anwalt und couragierter Kämpfer gegen die Apartheid. Nach dem Verbot des ANC 1960 wurde er mit sieben Mitkämpfern des ANC 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt und saß 27 Jahre im Gefängnis. Er blieb ungebrochen in seinem Engagement auch hinter Gittern.

HEUTE lernen an der Morris-Isaacson-Schule in Soweto ca. 300 junge Schülerinnen und Schüler klassische Instrumente als Nachwuchstalente für dieses großartige Orchester.

1976 war es genau DIESE Schule, an der der berüchtigte „Aufstand von Soweto“ losbrach, bei dem (nach Polizeiangaben) mindestens 176 junge schwarze Schülerinnen und Schüler sowie Studenten in ihrem Protest niedergemetzelt wurden.  

Damit – endlich – nahm die internationale Solidarität mit der Free-Mandela-Kampgne sowie die globale Ächtung und Isolation des weißen Apartheid-Regimes in Südafrika spürbar zu.

Aber fast zehn weitere lange Jahre vergingen, bis 1985 der politische Druck so groß wurde, dass Präsident Botha Nelson Mandela die Freilassung bei öffentlicher Gewaltentsagung nach über 21 Jahren Haft anbot. Spektakulär war Nelson Mandelas Antwort ein „Nein“ und stattdessen die selbstbewusste Forderung nach einer Legalisierung des ANC und der Abschaffung der Apartheid.

Die Wende kam erst 1989 mit Präsident Frederik Willem de Klerk am 11. Februar 1990, als Nelson Mandela direkt nach 27 Jahren im Gefängnis vor tausenden von Menschen redete und zur Versöhnung aufrief, war dies der entscheidende Impuls dafür, dass kein Bürgerkrieg ausbrach und die Apartheidsgesetze Mitte 1991 endlich friedlich und demokratisch abgeschafft wurden.

1993 erhielten beide deshalb den Friedensnobelpreis.
Ein Jahr später wurde Nelson Mandela mit 76 Jahren der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Am 5. Dezember 2013 starb Nelson Mandela just an dem Abend, als die von ihm autorisierte Biografie von 1994 als Film gleichzeitig in Johannesburg und London Premiere feierte „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (eine Filmbiographie des Regisseurs Justin Chadwick nach einem Drehbuch von William Nicholson,  basierend auf der Autobiografie von 1994 Mandela Long Walk to Freedom). 

Die Deutschland Premiere fand am 30. Januar 2014 im Zoopalast Berlin im Beisein von Nelson Mandelas Tochter Zindzi statt und hat mich damals sehr bewegt.

Es hätte für die heutige Präsentation dieser Nelson-Mandela-Briefmarke keinen besseren Rahmen geben können als dieses Konzert des großartigen MIAGI-Jugendorchesters aus Südafrika.

Denn während seines gesamten politischen Lebens pflegte Mandela ein enges Verhältnis zur traditionellen afrikanischen Musik. Unvergesslich sind einige seiner spontanen Tanzeinlagen auf der Bühne in den Jahren nach seiner Haftentlassung.

Viele Musiker unterstützten Mandela bereits während seiner Gefangenschaft. Sie schrieben ihm zu Ehren Songs oder thematisierten sein Engagement, seine Gefangenschaft und seine Vision eines versöhnten und vereinten Südafrikas.

Eines der bekanntesten Solidaritätslieder für Mandela ist Free Nelson Mandela, komponiert von Jerry Dammers. Dammers sang es erstmals 1984 mit seiner Band.

1985 veranstaltete Youssou N’Dour aus dem Senegal mit seiner damaligen Begleitband „Super Étoile de Dakar“ ein Konzert zur Freilassung Mandelas und sang das Lied Nelson Mandela. 

Der Südafrikaner Johnny Clegg schrieb 1987 den Song Asimbonanga („Wir haben ihn nicht gesehen“), um Mandelas Freilassung zu fordern. Das Lied wurde eine internationale Hymne und weltweit gespielt  – ebenso wie im gleichen Jahr Bring Him Back Home von Hugh Masekela.

Anlässlich seines 70. Geburtstags fand am 11. Juni 1988 in London  das legendäre Live Aid Concert im Londoner Wembley-Stadion statt, mit einem Live-Publikum von 72.000 Menschen und mehr als 600 Millionen Fernsehzuschauern in 67 Ländern – ich erinnere mich gut an die damalige Wucht der weltweiten Emotionen angesichts dieses Solidaritätskonzerts für Nelson Mandela.  

(Der Initiator des Konzerts war The Specials-Bandleader Jerry Dammers, der immer wieder die Freilassung Mandelas gefordert hatte und zwei Jahre zuvor auch das Festival Freedom Beat organisiert hatte, um gemeinsam die Durchsetzung der Menschenrechte in Südafrika und die Abschaffung der Apartheid einzufordern.)

Mehr als 70 bekannte Künstler (Musiker, Schauspieler) aus Afrika, den USA und Europa haben 1988 bei dem Live Aid Concert in London mitgewirkt. Die Simple Minds spielten dort den Song Mandela Day. Die US-Amerikanerin Tracy Chapman, die durch dieses Konzert weltweit bekannt wurde, widmete Mandela das Stück Freedom Now. 

(Weitere Teilnehmer waren u.a. Meat Loaf, Bee Gees, Dire Straits, UB40 mit Bono, Bryan Adams, Joan Armatrading, Harry Belafonte, Joe Cocker, Phil Collins, Peter Gabriel, Whitney Houston, George Michael, Youssou N’Dour, Sting, Stevie Wonder, Paul Young.)

Kurz nach seiner Freilassung entstand das Lied The People Want Mandela, das von zahlreichen südafrikanischen Musikern wie Jennifer Ferguson, Ray Phiri und Victor Ntoni im Stil von We Are the World 1990 komponiert und interpretiert wurde.

Auch in den Folgejahren inspirierte Nelson Mandela zahlreiche Musiker, darunter die Südafrikaner Brenda Fassie (Black President), Lucky Dube (House of Exile), Yvonne Chaka-Chaka (Freedom), Koos Kombuis (Madiba Bay) und 2009 die Sängerin Nomfusi mit ihrer Begleitband The Lucky Charms mit dem Song Iqalapha (deutsch etwa „Hier beginnt es“).
Zum Tod Nelson Mandelas am 5. Dezember 2013 schrieb der nigerianische Reggaemusiker Duncan Mighty schließlich das Lied Madiba Mandela. 

2016 ergriff Peter Krämer die Initiative zur Herausgabe dieser Briefmarke zu Ehren Nelson Mandelas. 

Denn bereits 2004 hatte die Peter-Krämer-Stiftung zur Verbesserung der Bildungschancen in Afrika und mit Nelson Mandela als Schirmherr die Initiative „Schulen für Afrika“ ins Leben gerufen – bis heute die weltweit erfolgreichste private Initiative im Bildungsbereich. 

Mit Hilfe der Stiftung wurden bislang 1500 Grundschulen in ländlichen Regionen in 13 afrikanischen Ländern errichtet. Für über 30 Millionen Kinder verbesserte sich die Schulsituation dadurch erheblich, viele Kinder konnten erstmals zur Schule gehen.

Um es mit Nelson Mandelas Worten zu sagen (Zitat) 
„Education is the doorway to freedom, democracy and development!“

Oder mit einem weiteren Zitat
„Jeder kann über sich hinauswachsen und etwas erreichen, wenn er es mit Hingabe und Leidenschaft tut.“

Ihnen, sehr geehrter Herr Botschafter Sizani, darf ich für den heutigen Abend danken, für dieses Konzert und für das gemeinsame Engagement für diese Briefmarke zu Ehren des großen Nelson Mandela – möge sie Sinnbild sein für unsere völkerverbindende Freundschaft und die Hoffnung auf die Überwindung von Krieg, Unterdrückung und Gewalt, die für immer mit dem Namen MANDELA verbunden bleiben werden.