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Sonderbriefmarke zum Start des Jubiläumsjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“

Aktuelles

12.02.2021

Präsentation der Sonderbriefmarke mit dem Motto "Chai - auf das Leben!"
 

Unter dem Namen #2021JLID wird 2021 bundesweit ein deutsch-jüdisches Festjahr unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefeiert, das jüdisches Leben mit über 1000 Veranstaltungen von Schleswig-Holstein bis Bayern sichtbar und erlebbar machen soll. 1700 Jahre jüdisches Leben gehen zurück auf das Jahr 321, als der römische Kaiser Konstantin ein Edikt erließ, dass künftig auch Juden in Ämter der Kurie und der Stadtverwaltung berufen werden konnten. Dieses Dokument mit seinem Ursprungsort in Köln ist der Beleg dafür, dass Jüdinnen und Juden nachweislich schon zu einer Zeit integraler Bestandteil des Lebens in Europa waren, als von einer „deutschen Nation“ noch kaum eine Rede sein konnte.

Seit mindestens 1700 Jahren haben jüdisches Leben und jüdische Kultur die Geschichte Deutschlands mitgeprägt. Die Sonderbriefmarke „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ wurde am 11. Februar 2021 durch Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen in einem Festakt im Landtag von Nordrhein-Westfalen – aufgrund der Corona-Pandemie leider nur virtuell und ‚gestreamt‘ aus dem Bundesfinanzministerium – vorgestellt.

 

Die Marke zeigt das hebräische Motto ´Chai - Auf Das Leben!´ in leuchtenden Farben, die Hoffnung auf eine gute Zukunft in Deutschland machen wollen und selbstbewusst auf die vielen Jahrhunderte verweisen, die jüdisches Leben und Kultur die Geschichte Deutschlands mitgeprägt haben. Viele jüdischen Persönlichkeiten sind aus der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte nicht wegzudenken: Schriftsteller*innen wie Heinrich Heine, Franz Kafka, Stefan Zweig, Else Lasker-Schüler oder Kurt Tucholsky, Wissenschaftler*innen wie Moses Mendelssohn, Paul Ehrlich, Albert Einstein, Fritz Haber, Sigmund Freud, Erich Fromm oder Hannah Arendt, oder Komponisten wie Gustav Mahler, Kurt Weill oder Felix Mendelssohn-Bartholdy. Auch Karl Marx fällt mir natürlich ein. Eine halbe Million Jüdinnen und Juden lebte in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik – ganze 15.000 Mitglieder zählten die jüdischen Gemeinden in Deutschland noch in den fünfziger Jahren. Aber heute leben in Deutschland wieder etwa 225.000 Jüdinnen und Juden: eine höchst lebendige, auch in sich ungeheuer vielfältige Gemeinschaft, die unser Land lebenswerter und weltoffener macht – das ist ein Grund zu großer Freude! Und das soll auch unsere Sondermarke zum Ausdruck bringen. „Chai“ – steht hebräisch für „lebendig“ und soll unserem Wunsch Ausdruck verleihen, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder gedeiht und aufblüht. Es gehört zur Zukunft unseres Landes genauso wie zu seiner Geschichte. Wir alle sollten uns glücklich schätzen, dass sich jüdisches Leben in Deutschland wieder so positiv entwickelt hat und gemeinsam müssen wir alles dafür tun, dass es so bleibt.

 

Das Sonderpostwertzeichen hat einen Wert von 80 Cent und ist seit dem 4. Februar 2021 in den Verkaufsstellen der Deutschen Post AG erhältlich. Die Gestaltung der Sonderbriefmarke und der Ersttagsstempel stammen von Detlef Behr aus Köln.

 

Gerade vor dem Hintergrund der Shoah ist es nicht weniger als ein Wunder, dass nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt wieder hier in Deutschland Jüdinnen und Juden heimisch geworden sind und heute sagen: ´Hier in diesem Land sind wir zu Hause.´ In diesem Satz kommt ein Grundvertrauen in das moderne Deutschland zum Ausdruck – ein Grundvertrauen in unser demokratisches Gemeinwesen, das zugleich eine große Verantwortung bedeutet. Dass sich Jüdinnen und Juden hier heute und in Zukunft zu Hause fühlen können, ist eine zentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Denn: wenn in Deutschland Jüdinnen und Juden bedroht sind, dann ist alles bedroht, was unser freiheitliches Gemeinwesen ausmacht. Jüdisches Leben zu schützen und zu verteidigen heißt deshalb, unsere Demokratie schlechthin zu schützen und zu verteidigen. Jeglichen Antisemitismus im Keim zu bekämpfen ist Aufgabe des Staates, es ist aber zugleich auch Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger.